Auswandern auf die Philippinen: Meine Erfahrungen nach fast einem Jahr

Am 10. Dezember 2025 bin ich in den Flieger gestiegen. In Deutschland hatte ich alles aufgegeben – nach über 50 Jahren. Heute lebe ich in einem kleinen Apartment etwas außerhalb von Dumaguete, fünf Minuten vom Strand, 15 Minuten mit dem Motorrad in die Berge. In diesem Artikel erzähle ich ehrlich, wie es dazu kam, was gut lief, wo ich Lehrgeld gezahlt habe und was das Leben hier wirklich kostet. Keine Hochglanzbroschüre – einfach meine Erfahrungen.
Warum ich gegangen bin

Ich habe meine Aufgaben in Deutschland erfüllt: mein Kind großgezogen und meine Mutter bis zu ihrem Tod gepflegt. Danach war es Zeit, nach über 50 Jahren endlich an mich zu denken. Dazu kam: Mit der Entwicklung in Deutschland war ich schon lange nicht mehr glücklich.
Ich wollte etwas Neues.
Wie die Nadel saß: Thailand, Davao und dann Dumaguete

Im Dezember 2024 war ich zuerst in Thailand, sieben Tage, bei Freunden. Schöne Ecken für den Urlaub, keine Frage. Aber Bangkok, Pattaya und Phuket waren mir zu kommerziell. Für 100 Gramm Durian habe ich dort 5 Euro gezahlt – hier kostet das 50 Cent. Nach drei Tagen habe ich den billigsten Flug weg gesucht und gefunden: 35 Euro nach Davao, hin und zurück, mit Gepäck.
Und da hat die Nadel gesessen, ganz tief im Arm. Ich habe mich in Land und Leute verliebt. Freundliche Menschen, kein „give money“, keine Abzocke. All-you-can-eat im koreanischen Restaurant für zwei Personen, inklusive Getränke: 10 Euro. Zehn Tage Unterkunft in verschiedenen Hotels und Airbnbs: zusammen 135 Euro. Das ging in Thailand nicht. Als „Kind vom Lande“ waren die Philippinen für mich einfach überwältigend.
Im Juni 2025 wollte ich mehr sehen, nicht wieder Davao. Freunde waren gerade in Dumaguete, also bin ich hin. Und das hat dann endgültig gesessen. Dumaguete ist kleiner und ruhiger als Davao, und ich hatte alles beisammen, was ich wollte: Berge, Strand und Sonne.
Nach dem Auswandern bin ich zuerst nach Bohol. Bohol ist wunderschön, und ich fahre gern mal für zwei, drei Tage hin. Aber dort kommt schon etwas von diesem Thailand-Kommerz durch – riesige Hotels, Strandverkäufer. Nicht mein Ding. Negros ist so richtig meins. Sechs Kilometer Sandstrand für mich allein, etwas außerhalb von Dumaguete – für jemanden, der Ruhe liebt, ist das ein Traum.
Die ersten Wochen: Sprache, Hitze, Wohnung
Durch meine zwei Besuche wusste ich ungefähr, was mich erwartet. Große Überraschungen gab es deshalb kaum. Die schwerste Sache war für mich am Anfang die Sprache: Mein Englisch war annähernd null. Überlebt habe ich trotzdem, und heute bekomme ich alles, was ich brauche. Der große Vorteil gegenüber Thailand: Englisch ist hier Amtssprache. Man hört und braucht es jeden Tag, dadurch lernt man viel schneller.
Die Hitze muss man mögen. Oben in Valencia, in den Bergen, ist es ein paar Grad kühler und gut auszuhalten. Und eine gute Wohnung findet man nicht einfach so auf Anhieb – dazu gleich mehr. Nach etwa sechs bis acht Wochen kommt man mit allem gut klar.
Wo ich Lehrgeld gezahlt habe
Bei der Miete. Meine erste Wohnung war zu teuer. Der Vermieter sagte mir, das sei hier die normale Miete – war es nicht. Meine Lehre: Schauen und vergleichen lohnt sich, und zwar bevor man unterschreibt. Was Wohnungen in Dumaguete wirklich kosten, steht in unserem Ratgeber Mieten in Dumaguete.
Bei Taxi und Tricycle habe ich dagegen kaum Abzocke erlebt. Einmal nachts wollte ein Tricycle-Fahrer 300 statt 100 Peso – das war zu überleben. Und ja, die „Freunde“, die plötzlich Geld brauchen, habe ich auch kennengelernt. Ein freundliches „Sorry, I can't help you“ reicht im Allgemeinen, und man hat seine Ruhe.
Visum: Verlängern ohne Stress
Ich bin mit dem ganz normalen Touristenvisum hier und verlängere alle zwei Monate. Bisher ohne jedes Problem: hingehen, sagen „ich möchte noch zwei Monate bleiben“ – vier Tage später ist das Visum da. Ich lasse das über eine Agentur machen. Das kostet ein paar Euro extra, aber die Leute dort sind super nett und helfen auch bei anderen Dingen. Zum Beispiel beim Führerschein: Der deutsche gilt hier nur die ersten drei Monate, danach braucht man den philippinischen. Über die Agentur ging auch das stressfrei und war nicht teuer. Was genau ich dafür bezahlt habe, sage ich lieber nicht – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Welche Visa es für einen langen Aufenthalt gibt, erklären wir in Visum für die Philippinen: Langzeitaufenthalt.
Was mich das Leben hier kostet
Mein kleines Apartment kostet ₱14.000 im Monat. Mit Strom und Wasser komme ich auf rund ₱18.000. Für Essen gebe ich etwa ₱10.000 aus. Zusammen sind das um die ₱28.000 im Monat, also rund 400 Euro. Damit habe ich alles, was ich zum Leben brauche.
| Posten | Pro Monat | In Euro (ca.) |
|---|---|---|
| Miete | ₱14.000 | 200 € |
| Strom und Wasser | ₱4.000 | 57 € |
| Essen | ₱10.000 | 143 € |
| Zusammen | ₱28.000 | 400 € |
Dazu kommen natürlich Dinge wie Motorrad, Versicherung, Visum und Ausflüge. Aber die Grundkosten sind überschaubar. Eine ausführliche Aufstellung finden Sie in Lebenshaltungskosten auf den Philippinen 2026.
Gesundheit: Was ich gelernt habe
Ich war zweimal im Krankenhaus und hatte eine Operation. Ich wurde super behandelt – ehrlich gesagt besser als in Deutschland.
Aber bei der Krankenversicherung habe ich einen Fehler gemacht. Ich hatte im ersten Jahr ein Sonderangebot, kostenlos. Das mache ich nie wieder, gerade suche ich eine neue. Die Operation war die Folge eines Unfalls, ich habe mich vier Wochen danach unters Messer gelegt. Weil ich sie vorher nicht bei der Versicherung angemeldet hatte, hat die Kasse nicht gezahlt.
Meine zwei Tipps aus dieser Geschichte:
- Behandlungen und Operationen immer vorher bei der Versicherung anmelden – auch wenn es nicht dringend wirkt. Und die Bedingungen genau lesen, bevor man sich für eine Versicherung entscheidet.
- Bei jedem Unfall die Polizei rufen, auch bei Kleinkram. Ein Polizeibericht spart später viel Stress – mit der Versicherung und mit allen anderen.

Was ich vermisse – und was nicht
Das Einzige, was ich vermisse, sind meine Freunde in Deutschland. Aber wir telefonieren regelmäßig. Sonst geht es mir hier super. Den deutschen Alltag mit all seinem Druck brauche ich zum Leben nicht mehr.
Würde ich es wieder tun?
Ja. Hundertprozentig, genau so!
Als ich gesagt habe „ich mache das jetzt einfach“, waren alle in Deutschland fassungslos und wollten es mir ausreden. Ich habe es gemacht und wurde dafür belohnt. Ich lebe hier für mich im Paradies. Die Natur und der Umgang mit der Natur sind so krass, dass es für mich einfach nur schön ist.
Das heißt nicht, dass es für jeden Dumaguete sein muss. Wer auf Kommerz steht, ist in Cebu gut aufgehoben, wer Großstadt mag, geht nach Manila. Es gibt viele schöne Plätze, und ich reise auch weiterhin. Meinen Platz habe ich hier gefunden.
Mein Rat an alle, die überlegen
- Erst kurz testen: Spontan schauen, was einem gefällt – ein Kurztrip, zehn Tage, nicht länger.
- Dann entscheiden: Steckt die Nadel oder nicht? Wenn nicht, ist das nächste Land dran. Wenn sie steckt, passt es.
- In sich reinhören: Geht es dir gut hier? Dann ist es etwas für dich.
- Nicht totdenken: Was wenn, wieso, warum – wer alles zerdenkt, dem geht es schief. Je länger man nachdenkt, desto weiter rückt der Gedanke weg, es wirklich zu tun.
Und der allerwichtigste Punkt:
MACHEN. Einfach MACHEN.
Alles andere ist die falsche Einstellung und führt nur zu Problemen. Der Rest fügt sich.
Wenn Sie den Schritt planen: In unserem kompletten Leitfaden zum Auswandern auf die Philippinen steht alles Organisatorische. Und wer in Dumaguete eine Wohnung oder ein Haus sucht – Genessa und ich helfen gern.
Häufige Fragen
Wie viel Geld braucht man im Monat auf den Philippinen?
Ich lebe in einem kleinen Apartment bei Dumaguete mit rund ₱28.000 im Monat (etwa 400 Euro) für Miete, Strom, Wasser und Essen. Versicherung, Fahrzeug, Visum und Reisen kommen dazu.
Braucht man gutes Englisch, um auf den Philippinen zu leben?
Nein. Mein Englisch war am Anfang fast null, und ich bin trotzdem gut durchgekommen. Weil Englisch Amtssprache ist, lernt man es im Alltag schnell.
Wie lange dauert es, sich einzuleben?
Bei mir waren es etwa sechs bis acht Wochen, bis ich mit allem gut klarkam.
Ist die medizinische Versorgung gut?
Meine Erfahrung im Krankenhaus war sehr gut, sogar besser als in Deutschland. Wichtig ist eine solide Krankenversicherung – und Behandlungen vorher dort anzumelden.
Warum Dumaguete und nicht Cebu oder Manila?
Dumaguete ist kleiner, ruhiger und hat Berge, Strand und Sonne nah beieinander. Wer Großstadt oder viel Trubel sucht, ist in Cebu oder Manila besser aufgehoben.


